Der Deutsche Stahlbau-Verband DSTV e.V. und bauforumstahl e.V. fordern einen grundlegenden Kurswechsel beim Umgang mit der alternden Brückeninfrastruktur in Deutschland. Statt auf Sperrungen und akute Schäden mit Einzelmaßnahmen zu reagieren, sollten Brücken, Verkehrswege und regionale Infrastruktur künftig vorausschauend, vernetzt und langfristig geplant werden. Den entsprechenden Antrag der CDU NRW für einen regionalen Brücken- und Verkehrsplan am Mittelrhein unterstützt der Verband daher ausdrücklich. Die Sperrung der Friedrich-Ebert-Brücke in Bonn zeigt exemplarisch, welche weitreichenden Folgen der Ausfall einer einzelnen Rheinquerung haben kann. Pendler, Handwerk, Industrie und Logistik sind unmittelbar betroffen. Gleichzeitig steigt die Belastung auf den verbleibenden Verkehrswegen und Brücken.
Brücken als Teil eines Netzes planen
Brücken dürfen nicht länger als isolierte Einzelbauwerke betrachtet werden. Ersatzneubauten, Zubringer, Anschlussstellen und das nachgeordnete Verkehrsnetz müssen gemeinsam geplant und mögliche Parallelausfälle weiterer Bauwerke von Beginn an berücksichtigt werden. Der DSTV und bauforumstahl begrüßen daher ausdrücklich politische Initiativen und Anträge, wie den der CDU NRW, die eine integrierte Verkehrsplanung, belastbare Ausfall- und Umleitungskonzepte sowie eine stärkere Abstimmung zwischen Bund, Ländern, Kommunen, Infrastrukturträgern und Wirtschaft fordern. Zusätzliche und leistungsfähige Verkehrsverbindungen sind Teil einer vorausschauenden Infrastrukturpolitik. Projekte wie die Rheinspange 553 – eine geplante neue Rheinquerung zwischen Köln und Bonn zur Entlastung bestehender Brücken und Verkehrsachsen – können dazu beitragen, notwendige Redundanzen zu schaffen und die Widerstandsfähigkeit regionaler Verkehrsnetze zu erhöhen.
Foto: Gregor Machura
„Die aktuelle Situation am Mittelrhein zeigt sehr deutlich, dass wir unsere Infrastruktur nicht länger von Sperrung zu Sperrung denken dürfen. Wir brauchen eine vorausschauende Strategie für Brücken und Verkehrsnetze, schnellere Verfahren und den Mut, Entscheidungen rechtzeitig zu treffen. Dass diese Forderungen zunehmend Eingang in die politische Diskussion finden, begrüßen wir ausdrücklich. Entscheidend ist jetzt, dass aus politischen Initiativen und Anträgen konkrete Projekte werden. Die deutsche Stahlbauindustrie steht bereit, ihren Beitrag dazu zu leisten und wir stehen bereit aktiv an Lösungen mitzuarbeiten.“, sagt Gregor Machura, Hauptgeschäftsführer des Deutschen Stahlbau-Verbands DSTV e.V. und bauforumstahl e.V.
Beschleunigung muss auf der Baustelle ankommen
Deutschland verfügt über neue gesetzliche Instrumente und freigegebene finanzielle Mittel für die Modernisierung seiner Infrastruktur. Entscheidend ist nun, dass daraus konkrete Projekte werden. Der DSTV und bfs fordern z.B. seit Langem verbindliche Fristen für Planungs- und Genehmigungsverfahren, vereinfachte Verfahren für Ersatzneubauten und eine klare Priorisierung kritischer Infrastruktur. Dabei sollten auch schnell umsetzbare und rückbaubare provisorische Brückenlösungen stärker in den Blick genommen werden, wenn sie dazu beitragen können, die Folgen langfristiger Sperrungen für Menschen und Wirtschaft zu begrenzen. Beschleunigung bedeutet dabei nicht Verzicht auf Qualität. Es geht vielmehr um klare Zuständigkeiten, schlanke Verfahren und verlässliche Entscheidungen.
Stahlbau schafft Tempo bei der Brückenmodernisierung
Die deutsche Stahlbauindustrie kann einen entscheidenden Beitrag zur Modernisierung der Infrastruktur leisten. Industrielle Vorfertigung, ein hoher Vorfertigungsgrad und kurze Montagezeiten vor Ort ermöglichen schnelle und effiziente Bauprozesse. Gleichzeitig ist Stahl vollständig kreislauffähig und bietet große Potenziale für den Rückbau und die Wiederverwendung. Die mittelständisch geprägte Stahlbaubranche ist bereit, Verantwortung für die anstehenden Infrastrukturaufgaben zu übernehmen. Dafür braucht sie jedoch verlässliche Rahmenbedingungen, planbare Auftragsperspektiven und eine langfristige Investitionssicherheit.
bauforumstahl e.V. (BFS) ist der Spitzenverband für das Bauen mit Stahl in Deutschland. Gemeinsam mit dem Deutschen Stahlbau-Verband DSTV vertritt er die Anliegen seiner Mitglieder gegenüber Politik, Fachwelt, Medien und Öffentlichkeit, bietet Wissenstransfer und engagiert sich in Forschung und Normung. Übergeordnetes Ziel ist es, die Stahlbauweise unter Berücksichtigung ganzheitlicher Aspekte wie Wirtschaftlichkeit, Sicherheit, Flexibilität und Nachhaltigkeit zu fördern. Zu den rund 350 Mitgliedern zählen alle namhaften deutschen Stahlbauunternehmen, Vorlieferanten und Folgegewerke, Architektur- und Ingenieurbüros sowie Hochschulen und Universitäten. www.bauforumstahl.de

