Bund zeichnet 20 Mobilitätsprojekte aus

BMWSB und BBSR prämieren vorbildliche Lösungen für bessere Anschlüsse in ländlichen Räumen – drei Projekte besonders gewürdigt

Der Zug fährt, aber der Bus ist schon weg. Das Fahrrad lässt sich am Bahnhof nicht sicher abstellen. Oder die letzten Kilometer vom Bahnhof nach Hause sind ohne Auto kaum zu bewältigen. Gerade in ländlichen Räumen entscheidet sich an solchen Fragen, ob Bus und Bahn im Alltag eine echte Alternative zum eigenen Auto sind. Wie es besser geht, zeigen die Gewinner des Wettbewerbs „Anschlüsse gestalten. Mobil in ländlichen Räumen“ des Bundesministeriums für Wohnen, Stadtentwicklung und Bauwesen (BMWSB) und des Bundesinstituts für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR). Bei der heutigen Abschlussveranstaltung in Bonn wurden 20 Projekte ausgezeichnet. Sie erhalten jeweils 5.000 Euro. Die ausgezeichneten Kommunen, Landkreise und Verkehrsunternehmen zeigen unterschiedliche Wege zu besseren Anschlüssen: Sie stimmen Busfahrpläne auf Züge ab, verbinden Bahnhöfe mit On-Demand-Angeboten, schaffen sichere Wege für Fußgänger und Radfahrer oder bündeln Bus, Bahn, Fahrrad, Carsharing und Park+Ride an Mobilitätsstationen.

Sabine Poschmann, Parlamentarische Staatssekretärin bei der Bundesministerin für Wohnen, Stadtentwicklung und Bauwesen: „Wer auf dem Land lebt, darf ohne eigenes Auto nicht abgehängt sein. Gute Mobilität bedeutet Teilhabe – und sie macht Gemeinden zu attraktiveren Orten zum Leben und Arbeiten. Die ausgezeichneten Projekte zeigen, was vor Ort möglich ist, wenn Kommunen und Verkehrsunternehmen gemeinsam anpacken. Davon brauchen wir mehr.“

Dr. Peter Jakubowski, Leiter des BBSR: „Ein guter Bahnanschluss hilft wenig, wenn man die letzten Kilometer nicht weiterkommt. Die ausgezeichneten Projekte setzen genau dort an: Sie stimmen Busse auf Züge ab, bringen Menschen aus den Ortsteilen zum Bahnhof und sorgen für sichere und kurze Wege beim Umsteigen. Das sind Lösungen, die den Alltag erleichtern. Und viele davon lassen sich auch andernorts umsetzen. Genau deshalb machen wir sie mit diesem Wettbewerb sichtbar.“

Alle 20 ausgezeichneten Projekte werden auf Mobilikon, dem Online-Nachschlagewerk des BBSR für kommunale Mobilität, vorgestellt. Drei Projekte überzeugten die Jury besonders und werden auf Mobilikon zusätzlich in Kurzfilmen präsentiert.:

Bus passend zur Schicht: Hövelhof verbindet Bahnhof und Arbeitsplätze

In Hövelhof sind Fahrplan und Arbeitszeiten aufeinander abgestimmt. Für das Projekt „Bahnhof Hövelhof – ways2work“ hat die Gemeinde gemeinsam mit der Nahverkehrsgesellschaft und 13 Unternehmen die Anbindung des Gewerbe- und Industriegebiets neu organisiert. Eine Regiobuslinie bringt Beschäftigte vom Bahnhof bis auf höchstens 300 Meter an ihren Arbeitsplatz – und wartet bei Verspätungen auf den Regionalzug. Ein On-Demand-Angebot verbindet zudem die Ortsteile mit dem Bahnhof.

„Jedes Dorf, jede Stunde“: Melsungen macht den Takt zum Prinzip

In Melsungen greifen Bus, Bahn und On-Demand-Verkehr ineinander. Zwei Buslinien wurden zu einem Stadtbusangebot im Halbstundentakt zusammengeführt und durch ein flexibles Angebot ergänzt. Hinzu kommt das Prinzip „Jedes Dorf, jede Stunde“: Orte ab 200 Einwohnerinnen und Einwohnern erhalten mindestens stündliche Verbindungen. Zentraler Knoten ist der modernisierte Bahnhof mit kurzen Umsteigewegen, Kundenzentrum und Café. Mit diesem Gesamtkonzept überzeugten der Nordhessische VerkehrsVerbund (NVV) und die Stadt Melsungen die Jury.

 

Mehr als doppelt so viele Anschlüsse in Dingolfing

Dingolfing zeigt, was eine gezielte Neuplanung des Busnetzes bewirken kann. Die Stadt analysierte zunächst Wege, Nachfrage und Lücken im bestehenden Angebot und erweiterte daraufhin das Netz von vier auf sechs Linien. Der neue Halbstundentakt ist auf die Regionalzüge abgestimmt. Der Anteil der Zugankünfte mit passendem Busanschluss hat sich dadurch mehr als verdoppelt. Vom Bahnhof in die Innenstadt gibt es heute täglich mehr als 53 Fahrtmöglichkeiten, ebenfalls mehr als doppelt so viele wie zuvor.

Gute Lösungen für andere Kommunen nutzbar machen

Eine Jury aus Wissenschaft, Verwaltung und Verbänden wählte die 20 Gewinnerprojekte aus. Im Mittelpunkt standen Lösungen, die sich im Alltag bewährt haben und Anregungen für andere Kommunen und Regionen bieten. Das BBSR bereitet die Erfahrungen der ausgezeichneten Projekte zudem in einer Veröffentlichung auf. Sie zeigt, welche Maßnahmen umgesetzt wurden und welche Faktoren zum Erfolg beigetragen haben. Im Mittelpunkt stehen unter anderem die Verknüpfung unterschiedlicher Verkehrsmittel, die Wege zum und vom Bahnhof sowie die Aufenthaltsqualität an den Stationen.