Wir brauchen eine neue Planungskultur

Wie plant man langfristig, wenn sich die Rahmenbedingungen immer schneller verändern? Wie können Flächen für Wohnen, Gewerbe, erneuerbare Energien und zugleich für Klimaanpassung und Verteidigungsfähigkeit gesichert werden? Mit diesen Fragen beschäftigte sich der diesjährige „Tag der Landesplanung“ am Montag, 31. August 2026, in Mainz. Raumordnungsminister Michael Ebling begrüßte dazu mehr als 120 Interessierte aus Wissenschaft und Praxis aus ganz Rheinland-Pfalz.

Minister Ebling warb dabei für einen grundlegenden Wandel im Verständnis von Landesentwicklung. „Wir brauchen eine neue Planungskultur. Die Turboflächen sind hierfür ein erstes Beispiel, wie wir die Kultur der Planung verändern können und wollen. Turboflächen sind das neue Verständnis der Landesplanung: ermöglichen statt nur ausweisen. Begleiten statt befehlen. Gemeinsam statt gegeneinander.“

Dass Landesplanung heute vor neuen Herausforderungen steht, machte auch das Eingangsstatement von Prof. Dr. Axel Priebs, Präsident der Akademie für Raumentwicklung in der Leibniz-Gemeinschaft (ARL), deutlich. Der Raumplaner aus Kiel richtete den Blick insbesondere auf die wachsende Bedeutung der Verteidigungsfähigkeit und die Frage, wie sich diese neuen Anforderungen in der Planung vor Ort niederschlagen. Gleichzeitig dürften andere zentrale Aufgaben der Resilienz – etwa der Schutz vor Hitze und Hochwasser – nicht aus dem Blick geraten. Gerade darin liege eine besondere Stärke der deutschen Planungskultur: langfristig zu denken, unterschiedliche Interessen zusammenzuführen und dafür zu sorgen, dass bei der Entwicklung unserer Räume kein wesentliches Anliegen unberücksichtigt bleibt.

Wie eine solche Planung unter veränderten Bedingungen konkret aussehen kann, diskutierten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer anschließend in verschiedenen Workshops. Dabei ging es um gesetzliche und praktische Neuerungen ebenso wie um die Frage, welche Impulse aus der Praxis in das anstehende neue Landesentwicklungsprogramm einfließen können. Ein weiterer Schwerpunkt lag auf der Beschleunigung von Planungsverfahren.

Für Minister Ebling bedeutet eine moderne Landesplanung dabei auch, unterschiedliche Interessen zusammenzubringen und tragfähige Lösungen für die Zukunft zu ermöglichen. „Wir dürfen wegen planungstheoretischer Ideen nicht in Sackgassen laufen, die unseren Wohlstand gefährden. Wir sind in Zeiten der Veränderung und diese werden wir dynamisch gestalten.“

Der „Tag der Landesplanung“ machte damit deutlich: Landesplanung muss langfristige Orientierung geben, darf dabei aber nicht starr sein. Sie muss Veränderung ermöglichen, unterschiedliche Interessen ausgleichen und gleichzeitig die großen Herausforderungen der kommenden Jahrzehnte im Fokus behalten.

Hintergrund
Der „Tag der Landesplanung“ ist eine jährlich stattfindende Dialogveranstaltung der Abteilung „Landesplanung, Vermessung und Geoinformation“ des Ministeriums für Wirtschaft, Tourismus, Energie und Klima Rheinland-Pfalz. Die Veranstaltung bildet zugleich den Auftakt zu drei raumplanerischen Fachveranstaltungen. Ziel ist es, den fachlichen Austausch über aktuelle Herausforderungen und zukünftige Entwicklungen der Raumplanung zu fördern und den informellen Dialog zwischen Politik, Verwaltung, Wissenschaft und Praxis zu stärken.